Digitalisierung konkret: Wie nutzt der Mittelstand mobile Apps?

Digitale Prozesse sind aus mittelständischen Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Darüber berichteten wir bereits im ersten Teil unserer Wissensreihe. Im zweiten Teil widmeten wir uns den Auswirkungen der Digitalisierung am Beispiel des IT-Sicherheitsgesetzes. Nun steht die konkrete Anwendung von digitalen Tools im Mittelpunkt unserer Betrachtung. Uns beschäftigt die Frage:

Wie, wann und warum nutzen mittelständische Unternehmen in Deutschland mobile Apps auf Smartphones und Tablets?

Keine App-Nutzung ohne Smartphones

Die Verbreitung von mobilen Applikationen steht logischerweise im direkten Zusammenhang mit der Verbreitung mobiler Endgeräte. Allein in Deutschland wurden 2015 rund 46 Mio. Smartphone-Nutzer gezählt. Das bedeutet also: Jeder zweite Deutsche nutzt mit einem Smartphone potenziell auch dafür passende Apps.

Smartphonenutzung in Deutschland - statista.de

Die Entwicklung der Smartphone-Nutzung sieht für den App-Markt sehr rosig aus (Quelle: statista.de)


 

Auch interessant: Der Umsatz, der in den Jahren 2014 und 2015 über den Verkauf von Apps über den AppStore von Apple oder den GooglePlay Store allein in Deutschland generiert wurde, belief sich auf 1,3 Mrd. Euro.

Die Verbreitung von Smartphones, Tablets und Apps nimmt also rasant zu – ist Vergleichbares in der App-Nutzung mittelständischer Unternehmen zu beobachten?

Der Mittelstand und die Apps – Mehrwert und Risiken

Die Nutzung mobiler Devices nimmt gerade im Business-Kontext kontinuierlich zu. Doch die Nutzung von mobilen Apps hat sich laut Marco Tosic, Autor des Buches “Apps für KMU” noch nicht wirklich durchgesetzt. Den Grund hierfür sieht er im mangelnden Know-How auf Entscheiderebene, geringen Kenntnissen über den möglichen Mehrwert und der fehlenden Antwort auf die Frage, welche Apps das Geschäftsmodell wirklich unterstützen können.

Ein weiterer Aspekt, warum sich viele Unternehmen noch gegen den Einsatz von Apps innerhalb von Unternehmensprozessen sträuben, ist sehr eng mit unternehmensinternen Sicherheitskonzepten und Vorschriften verbunden. Externe Applikationen können durchaus Sicherheitsrisiken darstellen. Denn wie, wann und wo Unternehmensdaten, mit denen Apps gefüttert werden, gespeichert, verarbeitet oder verschlüsselt werden, ist vom Anbieter oftmals nicht klar kommuniziert.

Schlussendlich scheitert der Einsatz mobiler Apps im Unternehmensprozess oft am fehlenden Unternehmens-WLAN. Da auch die kabellose Internetverbindung höhere Sicherheitsrisiken mit sich bringt, als eine kabelgebundene Verbindung, entscheiden sich auch hier viele Geschäftsführer und IT-Abteilungen gegen die Bereitstellung von WLAN. Und ohne WLAN ist die vollumfängliche Nutzung von Apps oft unmöglich.

Externe oder interne Apps?

Neben der Entscheidung, ob externe Apps für die internen Unternehmensabläufe genutzt werden sollen, stellt sich vielen Unternehmen die Frage nach der Entwicklung eigener Apps. Hier steht und fällt die Entscheidung für oder gegen die Implementierung einer eigenen App mit der Frage, ob die gewünschten Ziele und Zielgruppen mit einer mobilen Anwendung erreicht werden können. Und schlussendlich entscheidet wie so oft der Return on Investment, denn die Entwicklung einer unternehmenseigenen App ist häufig kostenintensiv.

Dennoch steigt die Relevanz von Apps in mittelständischen Unternehmen. Laut einer Befragung der Hochschule Rhein-Waal nutzt bereits ein gutes Drittel der Mittelständler Apps im Unternehmenskontext. Grund hierfür ist ein klarer Innovationsvorteil gegenüber Wettbewerbern. Derzeit fallen 12 Prozent der im AppStore verfügbaren Apps in die Kategorie “Business Apps”. Und hier kristallisieren sich drei Hauptanwendungsbereiche heraus:

Apps für Marketing- und Vertriebszwecke

Zalando App

ZALANDO App – ein erfolgreicher Vertriebskanal ©ZALANDO SE

Das sind die wohl am weitesten verbreiteten Apps, die vor allem für den B2C-Endkunden angeboten werden. Produkte und Services von Unternehmen werden über mobile Apps präsentiert und verkauft. Die App fungiert als Marketinginstrument zur Steigerung von Brand Awareness genauso wie als einfach zu bedienender Vertriebskanal.

Ein erfolgreiches Beispiel ist die App des Handelsunternehmens ZALANDO SE. Diese wurde allein im vergangenen Jahr 16 Mio. Mal auf Smartphones und Tablets heruntergeladen. Mit der App ist sowohl die Marke ZALANDO sowie dessen Produktpalette jederzeit und überall präsent.

Apps zur Prozessoptimierung

SLACK App

Slack – mobile Teamkommunikation ©SLACK

Zu den Apps für die Optimierung von internen Unternehmensprozessen zählen vor allem so genannte Produktivitäts-Apps – also hilfreiche Anwendungen für den alltäglichen Unternehmensablauf. Erfolgreiche Beispiele für solcherlei Apps sind mobile Zeiterfassungstools wie zum Beispiel Office Time oder Apps für die interne und externe Kommunikation, wie die Messenger-App Slack.

Aber auch die mobilen Versionen von bereits im Unternehmen implementierten Tools gehören dazu. Einige CRM-Anwendungen bieten sehr häufig abgespeckte mobile Clients an. Ein Beispiel hierfür ist Salesforce1, die mobile Anwendung des CRM-Riesen Salesforce.

Apps zur Produktionsoptimierung

Pathfinder Mobile App

Pathfinder Mobile – sicheres Netzwerkdoku-Tool ©tripunkt

In Unternehmen, in denen Daten erhoben, gesteuert und gemessen werden, können mobile Anwendungen effektiv unterstützen. Zum einen können Apps direkt in der Produktion zur Effektivitätssteigerung beitragen. Zum anderen werden Apps auch oftmals aus einem direkten Produktionsprozess heraus entwickelt und dienen selbst als Produkt.

Ein gutes Beispiel für eine App zur Produktionsoptimierung ist Pathfinder Mobile. Sie ist die abgespeckte Version der Pathfinder-Software und kann als Zusatzmodul für mobile Endgeräte hinzugebucht werden. Mit Pathfinder Mobile werden sowohl interne Prozesse innerhalb von IT-Abteilungen und Rechenzentren optimiert als auch die Produktion innerhalb dieser Abteilungen unterstützt. Etwaige Sicherheitsrisiken mindert Pathfinder Mobile, indem alle Unternehmensdaten ausschließlich mit dem unternehmenseigenen Server kommunizieren und somit keine sensiblen Informationen nach Außen gelangen können.

Business-Apps wissenschaftlich betrachtet

Etwas genauer untersuchte das Team um Prof. Dr. Franca Ruhwedel von der Hochschule Rhein-Waal die Einsatzfelder mobiler Apps. In einer wissenschaftlichen Befragung wurden 207 mittelständische Unternehmen bundesweit analysiert. Dabei kristallisierten sich folgende Einsatzfelder besonders heraus:

  1. Interne und externe Kommunikation
  2. Marketing
  3. Vertrieb
  4. Prozessoptimierung
  5. Produkt
  6. Business-to-Business
  7. Produktion

Grundsätzlich können diese Einsatzfelder wie folgt kategorisiert werden:

Apps entlang der Wertschöpfungskette

Einsatz von Apps entlang der Wertschöpfungskette mit freundlicher Genehmigung von Ruhwedel/Truxius/Vogelsang (2016)


Apps – von wem und für wen?

Neben der Einordnung von mobilen Anwendungen in Einsatzbereiche und Kategorien kann man ebenfalls grob zwei weitere Arten von Apps unterscheiden:

Apps für mittelständische Unternehmen

Ein Großteil der Apps, die in den Stores unter den Kategorien “Business” oder “Produktivität” zu finden sind, sind Anwendungen, welche Prozesse und Produktionen im Mittelstand optimieren können. Diese Apps können direkt in mittelständischen Unternehmen entwickelt worden sein, aber auch global agierende Konzerne oder kleine Startup-Unternehmen können hinter der Entwicklung dieser Apps stecken.

Apps von mittelständischen Unternehmen

Die mobilen Anwendungen, welche für Vertriebs- und Marketingzwecke entwickelt worden, also die Apps von Handels- und eCommerce-Unternehmen, zählen ebenso darunter, wie Anwendungen, die direkt aus bestehenden Unternehmensprozessen generiert wurden und diese nun unterstützen.

Fazit

Jeder zweite Deutsche besitzt ein Smartphone. Damit kann die Hälfte der Bevölkerung theoretisch und praktisch auf mobile Apps zugreifen. Der Mittelstand tut sich nach Aussage von Experten noch etwas schwer damit, den Trend für eigene Wettbewerbs-, Effektivitäts- und Kommunikationsvorteile zu nutzen. Daher ist die Verbreitung von mobilen Applikationen in Unternehmen recht überschaubar – noch! Besonders die Dienstleistungsbranche sowie der Groß- und Einzelhandel nutzen bereits Apps für die interne und externe Kommunikation und den Vertrieb ihrer Produkte. Weitere Branchen, wie Maschinen- und Anlagenbau oder Elektronik ziehen nach. Das hat das Team um Prof. Dr. Franca Ruhwedel in einer wissenschaftlichen Befragung herausgefunden.

Die einfache, intuitive und damit leicht erlernbare Bedienung mobiler Apps im Vergleich zu komplexen Web- oder Stand-Alone-Applikationen sind ein großer Pluspunkt, um Apps leicht und schnell in bestehende Prozesse zu integrieren. Allerdings können aufgrund fehlender Funktionalitäten viele Apps die Vollversionen vieler Anwendungen nicht ersetzen. Dies sollte man vor der Implementierung immer beachten.

Apps sind oftmals offline und damit überall und jederzeit nutzbar; sie schaffen eine starke Markenbindung, die sich zum Beispiel durch regelmäßige Push-Messages immer wieder auffrischen lässt. Doch sollte man den Bogen der Akzeptanz nicht überspannen und nicht zum Push-Spammer werden. Ist eine App einmal vom Smartphone deinstalliert, findet sie nicht so schnell wieder ihren Weg zurück zum Nutzer.

Jeder Unternehmer sollte also genau überlegen, welche Anwendung zum eigenen Geschäftsmodell passt und dieses unterstützt. Der Mehrwert einer klug eingesetzten App kann sowohl im B2B- als auch im B2C-Kontext wettbewerbsentscheidend sein.


Nutzung und Abwandlung der Grafiken mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Franca Ruhwedel: Ruhwedel/Truxius/Vogelsang (2016): Der deutsche Mittelstand  „App to date“?, Arbeitsbericht Nr. 1/2016 der Hochschule Rhein-Waal, Fakultät Kommunikation und Umwelt.

Weitere Quellen:
Was kann der Mittelstand mit Apps anfangen? (lead Digital)
Eine eigene Unternehmens-App? – Na klar! (mittelstand – Die Macher)
Ruhwedel/Truxius/Vogelsang (2016): Der deutsche Mittelstand  „App to date“?, Arbeitsbericht Nr. 1/2016 der Hochschule Rhein-Waal, Fakultät Kommunikation und Umwelt.
Geschäftsbericht ZALANDO SE 2015